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Niedersächsische Ministerin für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung
Familie in Niedersachsen Statistische Ämter des Bundes und der Länder

Armutsgefährdung in Regionen und Städten

Soziale Problemlagen ballen sich oft in Großstädten und ihre Auswirkungen zeigen sich in den Sozialstatistiken. So ist dort die Einkommensungleichheit und damit auch die Armutsgefährdung zumeist höher als im Bundes- und jeweiligen Landesdurchschnitt. Die Spanne unter den 15 Großstädten mit über 500.000 Einwohnerinnen und Einwohnern in Deutschland reichte 2022 ähnlich wie in den Vorjahren von 16,1% in Dresden bis 23,8% in Düsseldorf. Niedersachsens einzige Stadt dieser Größenordnung, die Landeshauptstadt Hannover, lag mit einer Armutsgefährdungsquote von 21,0% im oberen Drittel und damit merklich über dem landesweiten Durchschnitt (17,1%).

Regional können aufgrund der Stichprobengröße auf Ebene der Landkreise und kreisfreien Städte keine validen Aussagen über die Höhe der Armutsgefährdung gemacht werden. Im Mikrozensus werden daher mehrere Landkreise zu so genannten Anpassungsschichten zusammengefasst. Dabei bilden jedoch auch zum Teil sehr heterogene Landkreise und kreisfreie Städte solche Gebiete, sodass der jeweilige Durchschnittswert der Armutsgefährdungsquote nicht gleichgesetzt werden kann mit der Situation in einem konkreten Landkreis. Auch abhängig vor diesem Hintergrund zeigte sich 2022 folgende regionale Struktur der Armutsgefährdung in Niedersachsen: 1.) Die niedrigsten Armutsgefährdungsquoten von weniger als 16,0% wiesen die kreisfreien Städte und Landkreise zusammengenommen in der "Anpassungsschicht" Westniedersachsen und in Nordniedersachsen auf. 2.) Leicht unterdurchschnittliche Quoten verzeichneten der Oldenburger Raum und Nordostniedersachsen und 3.) durchschnittliche bis leicht überdurchschnittliche Quoten (17,0% bis unter 18,0%) fanden sich in fünf der elf Anpassungsschichten wieder und zwar im Weser-Leine-Bergland, Mittelniedersachsen, Ostfriesland-Nordseeküste, Hannover Umland und in Südniedersachsen. 4.) Die höchsten Armutsgefährdungsquoten mit Werten von mindestens 18,0% wiesen zusammengenommen die Landkreise und kreisfreien Städte im dichtbesiedelten "Ostniedersachsen" und die Landeshauptstadt Hannover auf.

Eine noch gröbere Einteilung des Landes in die vier Statistischen Regionen, die zugleich die ehemaligen Regierungsbezirke und im europäischen Vergleich die so genannten NUTS II-Regionen darstellen, macht darüber hinaus deutlich, dass die eher großstädtisch geprägten Statistischen Regionen Braunschweig (17,7%) und Hannover (18,3%) 2022 überdurchschnittlich hohe Armutsgefährdungsquoten aufwiesen. Die Statistischen Regionen Lüneburg und Weser-Ems lagen dagegen mit jeweils 16,2% unterhalb des Landesdurchschnitts von 17,1%.

Bei Zugrundelegung des Landesmedians lagen die Armutsgefährdungsquoten 2022 – außer in der Statistischen Region Weser-Ems – wie in den Vorjahren etwas niedriger als bei der Zugrundelegung des regionalen Medians. Das heißt, dass die Verteilung der Einkommen innerhalb der Statistischen Region Weser-Ems mit einer Armutsgefährdungsquote von 16,2% zwar ausgeglichener war als innerhalb der Statistischen Regionen Braunschweig und Hannover, die Einkommen im Vergleich zum durchschnittlichen Einkommen auf Landesebene jedoch niedriger waren. Die Armutsgefährdungsquote in der Statistischen Region Weser-Ems lag gemessen am Durchschnittseinkommen für ganz Niedersachsen so bei 17,3%.

Definition des Indikators: Die Armutsgefährdungsquote ist ein Indikator zur Messung relativer Einkommensarmut und wird definiert als der Anteil der Personen, deren Äquivalenzeinkommen weniger als 60% des Medians der Äquivalenzeinkommen der Bevölkerung (in Privathaushalten) beträgt.

Methodische Hinweise: Bei der Berechnung der Armutsgefährdungsquote stellen die Anpassungsschichten, die rund 500 000 Einwohnerinnen und Einwohner umfassen, die tiefste verfügbare Regionalebene im Mikrozensus dar. Einen "amtlichen" Charakter im Sinne der Statistik haben die Gebietsbezeichnungen jedoch nicht.

In der HSBN wird der jeweilige regionale Durchschnitt, das Regionalkonzept, herangezogen. Dieser Durchschnitt entspricht am besten dem der Berechnung zugrunde liegenden Teilhabekonzept. Dadurch wird den Unterschieden im Einkommensniveau innerhalb der Regionen Rechnung getragen. Alternativ kann auch der jeweilige nationale Durchschnitt (Nationalkonzept) verwendet werden oder der Landesmedian, dabei wird in wirtschaftlich schwachen Regionen die Armut überschätzt und in prosperierenden Räumen systematisch unterschätzt. Im Tabellenanhang finden sich Daten für alle drei Konzepte wieder.

Weiterführende Informationen: siehe Anhang sowie www.statistikportal.de/de/sbe

Quelle: Niedersächsisches Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Gleichstellung, HSBN 2023