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Niedersächsische Ministerin für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung
Familie in Niedersachsen Statistische Ämter des Bundes und der Länder

Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung

Die Zahl der Arbeitslosen hat sich in Niedersachsen im Verlaufe des Jahres 2022 wieder dem Vor-Corona-Niveau genähert. Die Arbeitslosenquote lag im Juni 2022 mit 5,1% nur noch 0,2 Prozentpunkte über dem Wert vom Juni 2019, womit sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt aus dieser Perspektive wieder weitestgehend entspannt hat. Die Unterbeschäftigungsquote, die auch die Personen mitberücksichtigt, die an einer Arbeitsförderungsmaßnahme teilnehmen oder zeitweise arbeitsunfähig erkrankt sind, lag bei 6,6%. Zugleich sank auch die Zahl der Arbeitnehmerinnen und Arbeit-nehmer in Kurzarbeit wieder deutlich.

Trotz des viel zitierten Fachkräftemangels waren im Juni 2022 jedoch immer noch 223.444 Personen in Niedersachsen arbeitslos gemeldet und 39,9% beziehungsweise 89.054 galten als langzeitarbeitslos, was bedeutet, dass die Arbeitslosigkeit bereits seit mehr als 12 Monaten andauert. Rund ein Viertel aller Arbeitslosen war sogar mindestens vier Jahre arbeitslos gemeldet und fast zwei Drittel hatten keine abgeschlossene Berufsausbildung. Die Vermittlung auf den Arbeitsmarkt gestaltet sich vor diesem Hintergrund umso schwieriger, und Qualifikationsmaßnahmen sind hierbei umso wichtiger.

Auch wenn in Niedersachsen jede elfte Person unter den Arbeitslosen unter 25 Jahre alt war – etwa jede vierte war 55 und älter: Für junge Menschen ist es scheinbar immer leichter einen Job zu finden. Die Arbeitslosenquote unter den 15- bis unter 25-Jährigen lag mit 4,2% merklich unter dem Durchschnitt in Niedersachsen. Schwierigkeiten haben weiterhin besonders Arbeitssuchende mit nichtdeutscher Staatsangehörigkeit, ihre Quote war im Juni 2022 mit 16,4% mehr als vier Mal so hoch wie die unter deutschen Staatsangehörigen. Die Quote der weiblichen nichtdeutschen Staatsangehörigen lag mit 22,0% noch einmal deutlich darüber, ein Niveauunterschied, der nicht erst seit dem Zuzug vieler geflüchteter Frauen aus der Ukraine existiert.

Bei der Betrachtung der Arbeitslosenzahlen im Sinne der BA ist zu beachten, dass sich unter den Arbeitslosen auch Erwerbstätige befinden. Der Umfang der Beschäftigung fällt jedoch unter die definitorische Grenze von mindestens 15 Wochenstunden. Für internationale Vergleiche eignet sich jedoch das Labour-Force-Konzept der International Labour Organization (ILO), welches die "ökonomisch aktive Bevölkerung" darstellt. Es teilt die Erwerbsbevölkerung in Erwerbstätige (mindestens eine Stunde bezahlte Arbeit pro Woche) oder Erwerbslose sowie in "Nichterwerbspersonen", die entweder ungewollt oder gewollt weder erwerbstätig noch erwerbslos sind, ein.

Erwerbslose sind nicht erwerbstätig, haben aber in den letzten vier Wochen im Berichtszeitraum aktiv nach einer Tätigkeit gesucht. In Niedersachsen lag die Erwerbslosenquote 2022 bei 2,9% und damit unter dem Wert vor der Corona-Pandemie 2019. Menschen mit Zuwanderungsgeschichte waren dabei mit einer Quote von 5,1% überdurchschnittlich oft erwerbslos. Bei den Arbeits- wie bei den Erwerbslosen zeigt sich, dass vor allem niedrig Qualifizierte und besonders diejenigen ohne abgeschlossene Berufsausbildung ohne Job sind.

Quelle: Niedersächsisches Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Gleichstellung, HSBN 2023