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Niedersächsische Ministerin für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung
Familie in Niedersachsen Statistische Ämter des Bundes und der Länder

Einkommen, Verdienste und Vermögen

Die Indikatoren Einkommen, Verdienste und Vermögen sind alle miteinander verknüpft und messen zusammen den Wohlstand der Bevölkerung. Zwar wird die Armutsgefährdung nur an den Einkommen gemessen, die auch die Verdienste miteinschließen. Vermögen werden hingegen nicht mit einbezogen. Dennoch ist davon auszugehen, dass Vermögende in der Regel nicht so einkommensarm sind, dass sie als armutsgefährdet gelten müssen. Das bedeutet auch, dass Menschen mit niedrigen Verdiensten und Einkommen nur geringe Vermögen aufbauen können zur Absicherung der sozialen Lage und zur Altersvorsorge. In Krisenzeiten wie während der Corona-Pandemie oder in Zeiten hoher Inflation wie seit 2022 helfen vorhandene Vermögen, Einbußen und Mehrausgaben entsprechend abzufedern. Zwar steigen die durchschnittlichen Vermögen seit Jahren an, viele Haushalte können jedoch auf gar keine oder nur sehr geringe Vermögen zurückgreifen.

Auch die durchschnittlichen preisbereinigten Bruttomonatsverdienste, die Reallöhne, sind in Niedersachsen seit 2007 durchgängig von Jahr zu Jahr gestiegen bis die Pandemie diesen Trend 2020 gestoppt hat. Dabei konnten die damaligen Verluste noch mit der Ausweitung der Kurzarbeit begründet werden, die bei der Berechnung der Verdienste nicht mit einbezogen werden. Für 2021 spielte dies jedoch kaum noch eine Rolle, sondern vielmehr die anziehenden Preise. 2022 verzeichnete die Bundesrepublik seit Bestehen dann mit 6,9% innerhalb eines Jahres eine der höchsten Preissteigerungen (Niedersachsen: 6,8%). Dies führte dazu, dass die Reallöhne im selben Jahr um 4,0% gesunken sind und in Niedersachsen um 4,5%. Vor allem bei den unteren Einkommen, insbesondere bei Menschen, die auf Mindestsicherungsleistungen angewiesen sind oder beziehungsweise und im Niedriglohnsektor arbeiten, führt eine solche Entwicklung zu starken Einschränkungen im Alltag. Auch wenn der Anteil der Beschäftigten im Niedriglohnsektor in Niedersachsen zurückgegangen ist, waren 2022 immer noch über eine Dreiviertelmillion Jobs – mehr als jeder fünfte – entsprechend niedrig bezahlt. Die Zahl der 81.570 Erwerbstätigen, die neben dem Erwerbseinkommen auf SGB II-Leistungen angewiesen sind, also jene die als Geringverdienende am ehesten als "working poor" bezeichnet werden können, ging indessen weiter zurück und lag im Juni 2022 in Niedersachsen um 5,4% niedriger als im Vorjahresmonat.

Einen deutlichen Unterschied gab es auch 2022 noch bei den Verdiensten zwischen Frauen und Männern. Der so genannte Gender Pay Gap fiel zwar im Vergleich zum Vorjahr leicht, betrug in Niedersachsen wie in Deutschland insgesamt aber immer noch 18%. Frauen verdienen nicht nur weniger in der Stunde, sondern nehmen darüber hinaus seltener am Erwerbsleben teil und arbeiten öfter in Teilzeit als Männer. Diese drei Teilaspekte werden im Indikator Gen-der Gap Arbeitsmarkt der EU zusammenfassend für Niedersachsen auf 41% beziffert (Deutschland: 39%). Je höher der Gender Gap Arbeitsmarkt ausfällt, desto stärker ist die Verdienstungleichheit auf dem Arbeitsmarkt ausgeprägt.

Das verfügbare Einkommen, das neben dem Nettolohn auch monetäre Sozialleistungen und andere laufende Transfers umfasst, gibt an, was tatsächlich vom Einkommen zur Verfügung steht. In Niedersachsen liegt das verfügbare Einkommen pro Kopf regelmäßig unter dem Bundesdurchschnitt, 2020 lag es bei durchschnittlich 22.877 Euro. Für die Jahre 2021 und 2022 standen bei Redaktionsschluss noch keine Daten zur Verfügung, bundesweit waren aber auch in diesen beiden Jahren Steigerungen zu verzeichnen, unabhängig davon, inwieweit die erhöhte Inflation die Einkommenssteigerungen wieder schmälert und den Wohlstand senkt. Der Indikator kann zwar nicht auf einzelne Bevölkerungsgruppen heruntergebrochen werden, er bildet jedoch die allgemeine Einkommensentwicklung ab und kann gut für regionale Vergleiche bis auf Landkreisebene herangezogen werden.

Aussagen über Einkommensreichtum können anhand der Lohn- und Einkommensteuerstatistik getätigt werden, wenn auch nur aufgrund der gesetzlichen Bestimmungen erst mit einer zeitlichen Verzögerung. Demnach hatten im Jahr 2018 in Niedersachsen 3,5% der Steuerpflichtigen Einkünfte von 125.000 Euro und mehr und galten damit als "einkommensreich". Zusammen vereinigten sie etwa ein Fünftel aller Einkünfte auf sich.

Quelle: Niedersächsisches Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Gleichstellung, HSBN 2023