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Niedersächsische Ministerin für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung
Familie in Niedersachsen Statistische Ämter des Bundes und der Länder

Die soziale Lage in Niedersachsen

Der Statistikteil der vom Niedersächsischen Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung herausgegebenen Handlungsorientierten Sozialberichterstattung Niedersachsen (HSBN) erscheint 2022 zum 13. Mal. Erstellt wurde er im Landesamt für Statistik Niedersachsen (LSN). Die aktuelle Ausgabe stellt hauptsächlich die soziale Lage im Jahr 2020 und 2021 dar. Kurzfristige Auswirkungen der Corona-Krise und strukturelle Ungleichheiten werden beschrieben.

Der Statistikteil kann damit kurzfristige Auswirkungen der Corona-Krise aufzeigen und mit Blick auf die aktuelle Lage Antworten darauf geben, mit welchen strukturellen Ungleichheiten die Gesellschaft und die Politik bereits vor der Phase der hohen Inflation und der Energiekrise konfrontiert waren.

In Niedersachsen galt 2021 mit einer Quote von 16,8% etwa jede sechste Person als armutsgefährdet. Unter den Minderjährigen war etwa ein Fünftel (21,0%) und unter den jungen Erwachsenen bis unter 25 Jahren rund ein Viertel (24,8%) betroffen.

Ähnliche Werte waren in der Vergangenheit zu beobachten. Dabei fiel die Armutsgefährdung im Alter (65 Jahre und älter) 2021 mit 17,9% ebenfalls überdurchschnittlich hoch aus, mit einem deutlichen Unterschied zwischen Frauen (20,2%) und Männern (15,2%).

Auf existenzsichernde Hilfen des Staates waren im ersten Corona-Jahr 2020 insgesamt 684.861 Menschen in Niedersachsen angewiesen und damit 0,7% mehr als ein Jahr zuvor. Der Anteil an der Bevölkerung nahm leicht zu, um 0,1 Prozentpunkte auf 8,6%.

Dabei stieg die Zahl der Beziehenden von Leistungen der Grundsicherung im Alter, die die Regelaltersgrenze zum Renteneintritt erreicht hatten, überdurchschnittlich stark an (+3,4%) auf 56.284 Menschen. Die Quote, bezogen auf die gleichaltrige Bevölkerung, wuchs um 0,2 Prozentpunkte auf 3,3%.

Die Auswirkungen der pandemischen Lage hielten sich in diesen Kernindikatoren der Sozialberichterstattung damit in Grenzen. Dies wird nicht zuletzt an staatlichen Gegenmaßnahmen wie der Ausweitung des Kurzarbeitergeldes gelegen haben, das einen übermäßigen und dauerhaften Anstieg der Arbeitslosigkeit verhinderte und Einkommenseinbußen abfederte. Minijobbende waren hiervon jedoch ausgenommen. Innerhalb von zwei Jahren sank die Zahl der ausschließlich geringfügig Beschäftigten um rund ein Zehntel (Juni 2021 gegenüber Juni 2019). Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung nahm indessen im gleichen Zeitraum zu. Trotzdem stieg auch die Zahl der Langzeitarbeitslosen besonders im zweiten Corona-Jahr (Juni 2021 zu Juni 2020) deutlich an, um 28,1% auf 102.545 Personen.

Die HSBN wirft insbesondere einen Blick auf die Situation von Kindern und Jugendlichen. Dabei zeigte sich, dass auch die Kinder- und Jugendhilfe von der pandemischen Lage beeinträchtigt wurde. In Niedersachsen wurden 2020 insgesamt 100.666 erzieherische Hilfen gewährt und damit 4,1% weniger als im Vorjahr. Die Zahl der begonnen Hilfen sank mit 9,5% noch stärker. Insbesondere die Erziehungsberatungen vor Ort (§ 28 SGB VIII; -12,2%) waren erschwert, wurden allerdings mitunter verstärkt telefonisch angeboten, jedoch statistisch bis dahin noch nicht erfasst.

Im Bereich Bildung hat die pandemische Situation mit Schulschließungen und Distanzunterricht zumindest nicht dazu geführt, dass die Zahl der Abgängerinnen und Abgänger ohne Hauptschulabschluss zugenommen hat. Insgesamt verließen 2020 zwar 4.612 Abgängerinnen und Abgänger die allgemein bildenden Schulen ohne Hauptschulabschluss, im Vergleich zum Vorjahr bedeutete dies jedoch einen Rückgang um 15,0%.

Diese und viele weitere Ergebnisse unter anderem aus den Themenbereichen Demografie, Lebensformen, Bildung und Qualifikation, Wirtschaft und Erwerbstätigkeit, Arbeitslosigkeit, Einkommen und Verdienste, relative und "bekämpfte" Armut, Gesundheit und Lebenserwartung, Kinder und Jugendliche finden sich in der HSBN wieder.

Der mit zahlreichen Abbildungen ausgestattete Statistikteil kann im Internetangebot des Niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung heruntergeladen werden oder unter www.sozialberichterstattung-niedersachsen.de.

Die HSBN liefert sozialpolitisch wichtige Regionaldaten und Analysen und wird nach den Informationsbedürfnissen der Akteurinnen und Akteure der Armutsbekämpfung in Politik, Verwaltung und Verbänden laufend fortentwickelt. Den regional und kommunal Handelnden wird verlässliches Vergleichsmaterial für ihre Region an die Hand gegeben. Im Mittelpunkt steht die Berichterstattung über die Entwicklung der Armut in Niedersachsen. Dabei bedeutet Armut mehr als nur Einkommensarmut oder -ungleichverteilung, sondern auch die mangelnde Möglichkeit der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.

Methodische Hinweise:

Unter Mindestsicherungsleistungen werden in der Sozialberichterstattung folgende existenzsichernde finanzielle Hilfen des Staates zusammengefasst:
Leistungen nach dem SGB II (Arbeitslosengeld II und Sozialgeld), die Sozialhilfe nach dem SGB XII (Hilfe zum Lebensunterhalt außerhalb von Einrichtungen und die Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung) und die Regelleistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG).

Als armutsgefährdet gelten alle Personen mit einem monatlichen Nettoeinkommen von weniger als 60% des regionalen Durchschnitts, gemessen am Median. Dabei werden die Haushalte oder Personen ihrem Einkommen nach aufsteigend sortiert. Der Median ist der Wert, der die Bevölkerung in genau zwei Hälften teilt. Das heißt, die eine Hälfte hat mehr, die andere weniger Einkommen zur Verfügung.