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Niedersachsen: 20 Jahre Sozialbericherstattung

2018_LSN-Statistisches-Monatsheft-11Die Berichterstattung über Armut und Reichtum in Niedersachsen blickt mittlerweile auf eine Tradition von 20 Jahren zurück. Prof. Dr. Lothar Eichhorn und Arne Lehmann vom Landesamt für Statistik Niedersachsen (LSN) verbinden in einem Beitrag für das Statistische Monatsheft Niedersachsen 11/2018 die Präsentation aktueller Ergebnisse des Jahres 2017 mit einem Rückblick auf 20 Jahre kontinuierlicher Berichterstattung, verbunden mit einem Ausblick auf die künftigen Aufgaben.

20 Jahre Berichterstattung über Armut und Reichtum in Niedersachsen

Am 4. September 1998 wurde von der damaligen Sozialministerin des Landes Niedersachsen, Heidrun Merk, erstmals ein "Landesbericht zur Entwicklung von Reichtum und Armut in Niedersachsen" vorgestellt. Seitdem wurde jährlich vom Statistischen Landesamt untersucht und veröffentlicht, wie sich Armut und Reichtum im Land Niedersachsen entwickelt haben. Mittlerweile kann diese Berichterstattung also auf eine 20-jährige Tradition sowie auf Zeitreihen, die bis ins Jahr 1986 zurückgehen, zurückblicken.

Ein Hauptergebnis hat sich im Laufe dieser Zeit immer wieder bestätigt: Die Armut bzw. Armutsgefährdung ist ein Phänomen von äußerster Persistenz. Trotz aller Maßnahmen, trotz aller Hilfen lebte und lebt ein großer Teil der Bevölkerung des Landes unterhalb der Schwelle der Armutsgefährdung und ist damit von einer gleichberechtigten Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen oder zumindest in einer Teilhabe stark beeinträchtigt. Der Anteil der armen oder zumindest armutsgefährdeten Personen liegt bei ca. einem Sechstel der Bevölkerung mit leicht steigender Tendenz.

Der permanente gesellschaftliche Wandel hat Individualisierungstendenzen und weitere Ausdifferenzierung mit sich gebracht und ist vom demografischen Wandel stark geprägt. Bei einzelnen gesellschaftlichen Gruppen wie Familien mit mehr als zwei Kindern, Alleinlebenden und Menschen mit Migrationshintergrund ist eine vergleichsweise höhere Armutsgefährdung zu beobachten.

"Die Armen" gibt es jedoch nicht. Armut ist multidimensional und hat verschiedene Ursachen und Auswirkungen. Die wichtigsten unmittelbaren Ursachen sind Erwerbslosigkeit, unzureichende Erwerbseinkommen sowie bestimmte Familienstrukturen (z.B. Alleinerziehende). Eine schlechte Bildung und Ausbildung erhöhen das Armutsrisiko erheblich. In einem hohen und wachsenden Maß hängt die Armutsgefährdung auch mit der ethnischen Herkunft zusammen.

Worauf wird es in Zukunft ankommen?

Die zukünftige regionale Berichterstattung über Armut und Reichtum steht vor einigen Herausforderungen, so die Autoren:

  • Die derzeitige Vielfalt an Datengrundlagen und entsprechenden Armutsgefährdungsquoten sollte reduziert werden, um Übersichtlichkeit zu schaffen.
  • Die regionale Dimension sollte beibehalten werden, um Akteurinnen und Akteuren vor Ort entsprechende Daten auch zur Evaluation ihrer Arbeit zur Verfügung stellen zu können. Andererseits müsse auch die internationale Dimension zumindest auf EU-Ebene stärker berücksichtigt werden.
  • Die Berichterstattung sollte neben den Quoten für Armutsgefährdung und Reichtum auch andere Sozialindikatoren, die Aufschluss über Armut und soziale Lebenslagen geben, heranziehen, wie es in Niedersachsen mit der Handlungsorientierten Sozialberichterstattung Niedersachsen (HSBN) geschieht.
  • Daten über die relative Armut sollten - gerade auch in der internationalen Dimension - mit "objektiven" Daten über Armut und Deprivation ergänzt werden, da das Konzept der relativen Armut einige Dimensionen wie Vermögen, Fähigkeiten und nach Lebenslagen unterschiedliche Bedarfe unzureichend abdeckt. Im internationalen Vergleich sind jedoch erhebliche Unterschiede im Wohlstandsniveau von Bedeutung, insbesondere im Kontext von Wanderungsbewegungen, die durch ein solches Wohlstandsgefälle ausgelöst werden.
Quelle:
Prof. Lothar Eichhorn, Arne Lehmann: Armutsgefährdung in Niedersachsen im Jahr 2017 und ein Rückblick auf 20 Jahre Sozialberichterstattung, in: Statistisches Monatsheft Niedersachsen 11/2018, S. 554-567

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