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Kinderreiche Familien in Deutschland

2020_Kinderreiche-Familien-in-DeutschlandEine Auswertung des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) stellt kinderreiche Familien in den Mittelpunkt: Wer sind die Kinderreichen in Deutschland? Wo wohnen sie und in welchen Lebenslagen befinden sie sich?

Der Statistikbericht aktualisiert den Erkenntnisstand über verschiedene Typen von kinderreichen Familien und ihre Lebenssituation in Deutschland. Dafür wurden mehrere große Datensätze ausgewertet: Mikrozensus, Zensus, Geburtenstatistik, Sozio-oekonomisches Panel (SOEP) und Nationales Bildungspanel (NEPS). Erstmalig zeigt die Studie auch die regionale Verteilung kinderreicher Familien bis auf Kreisebene.

Mit einem Anteil von 16 Prozent kinderreicher Frauen liegt Deutschland im europäischen Vergleich im unteren Mittelfeld. Rund 7 Millionen Menschen in Deutschland leben in einem Haushalt mit drei oder mehr Kindern.

Kulturell etabliert ist in Deutschland eher das Leitbild der Zweikindfamilie. Kinderreiche Familien werden, anders als in anderen europäischen Ländern, als abweichend von der Norm wahrgenommen, was zur Stigmatisierung führen kann.

Kinderreiche Familien sind außerdem von verschiedenen anderen Problemlagen betroffen. Sie sind doppelt so häufig armutsgefährdet wie Familien mit weniger als drei Kindern und verfügen über weniger Wohnraum pro Person.

Die Analyse der Lebensrealität von Frauen und Männern zeigt, dass die Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern in Mehrkindfamilien traditionell ist. Kinderreiche Frauen sind zum Großteil in Teilzeit oder geringfügig beschäftigt und deutlich häufiger nicht erwerbstätig als Männer. Sie investieren doppelt bis dreimal so viel Zeit in Kinderbetreuung und Hausarbeit. Durch das erheblich geringere Erwerbseinkommen sind viele ökonomisch abhängig vom Partner. Dies ist besonders problematisch, da die Kinder auch im Trennungsfall häufiger im Haushalt der Frauen leben.

Die Untersuchung stellt darüber hinaus die zunehmend komplexer werdenden Strukturen von kinderreichen Fortsetzungs- und Stieffamilien mit leiblichen Kindern, neuen Partnerschaften und Stiefkindern dar.

Kinderreiche Familien müssen in der familienpolitischen Debatte stärker wahrgenommen werden, so ein Fazit der Studie. Der im europäischen Vergleich eher geringe Anteil kinderreicher Familien sei vor allem eine Frage der Kultur und der Infrastruktur, nicht der Ökonomie. Bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie sollte auf die spezifischen Zeitbedarfe kinderreicher Eltern besser eingegangen werden.

Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (Hrsg.): Kinderreiche Familien in Deutschland. Auslaufmodell oder Lebensentwurf für die Zukunft? Wiesbaden 2019
Download der Studie beim Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung

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