Link zur Website des Niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung

Schriftzug Familien in Niedersachsen

Schriftzug Statistische Ämter des Bundes und der Länder

Suche

Armutsgefährdung und Erwerbstätigkeit

Nicht jeder Mensch, der einer Arbeit nachgeht, ist vor Armut bzw. Armutsgefährdung geschützt. Beim Vergleich der Quoten, die 2018 bei den Erwerbslosen 57,1 % und bei Erwerbstätigen "nur" 7,2 % betrugen, wird das Ausmaß der "working poor" jedoch nicht hinreichend deutlich. Hierbei hilft die Betrachtung der absoluten Zahlen. Auch aufgrund sinkender Erwerbslosenzahlen gab es 2018 in Niedersachsen "nur" noch 77.000 armutsgefährdete Erwerbslose. Ihre Zahl verringerte sich damit seit 2011 von 121.000 um mehr als ein Drittel (36,4 %).

Dagegen bewegte sich seit 2015 die Zahl der armutsgefährdeten Menschen, die einer Erwerbstätigkeit nachgingen, bei knapp unter 290.000. Im Jahr 2018 gab es mit 286.000 Personen etwa 3,7 Mal so viele armutsgefährdete Erwerbstätige wie armutsgefährdete Erwerbslose (+4,8 % zu 2011).

Bei diesen und den folgenden Zahlen muss beachtet werden, dass die Armutsgefährdung im Haushaltskontext ermittelt wird, d.h., dass die jeweilige armutsgefährdete Person bei anderer Haushaltszusammensetzung möglicherweise nicht armutsgefährdet wäre. Bei Erwerbstätigen in Einpersonenhaushalten kann man dagegen eher davon ausgehen, dass diese trotz eigener Erwerbstätigkeit für sich nicht ausreichend Einkommen generieren, um die eigene Armutsgefährdung zu verhindern. Die Armutsschwelle lag hier in Niedersachsen bei 1.016 Euro. Von 14,1 % der erwerbstätigen Menschen in Einpersonenhaushalten lagen die Einkommen darunter, sie waren folglich armutsgefährdet. In Alleinerziehendenhaushalten, in denen die alleinerziehende Person einer Erwerbstätigkeit nachging, betrug die Quote 27,8 %.

Ein differenzierteres Bild zur Bewertung der Zahlen zum Thema "working poor" entsteht bei der Betrachtung von Form und Umfang der ausgeübten Erwerbstätigkeit. Von den armutsgefährdeten Erwerbstätigen waren mit 36,1 % mehr als ein Drittel atypisch beschäftigt. Ihre Armutsgefährdungsquote lag bei 13,5 %.

Rund 29.000 und damit 28,3 % der armutsgefährdeten atypisch Beschäftigten hatten nicht die deutsche Staatsangehörigkeit. Ihre Armutsgefährdungsquote betrug 27,1 %, bei den Deutschen "nur" 11,2 %. Unter den atypisch beschäftigten Männern waren 16,8 % armutsgefährdet, bei den Frauen waren es 12,1 %.

Unter den Beschäftigten im Normalarbeitsverhältnis betrug die Armutsgefährdungsquote im Jahr 2018 wie im Vorjahr 3,4 % (83.000 Beschäftigte). Zwischen Frauen und Männern gab es dabei keine Unterschiede. Dagegen zeigte sich, dass die Armutsgefährdungsquote bei Frauen und Männern mit einem Normalarbeitsverhältnis ohne deutsche Staatsangehörigkeit mit 11,9 % fast viereinhalb Mal so hoch war wie bei den deutschen Staatsangehörigen (2,7 %).

Quelle:
Niedersächsisches Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung 2020

<<< zurück