Link zur Website des Niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung

Schriftzug Familien in Niedersachsen

Schriftzug Statistische Ämter des Bundes und der Länder

Suche

Besondere Lebenslagen

Als "Besondere Lebenslagen" werden in diesem Kapitel Indikatoren zusammengefasst, die Lebenslagen beschreiben, die kurz- oder langfristig die Lebensumstände der Betroffenen unterschiedlich stark einschränken. Themen sind dabei unter anderem Überschuldung und Privatinsolvenzen sowie die Kriminalitätsentwicklung mit Straftaten- und Opferzahlen. Zudem geht es um Menschen mit (Schwer-) Behinderung. Nicht zuletzt, da diese in Folge ihrer Einschränkungen einem erhöhten Armutsrisiko ausgesetzt sind.

Vor allem das Thema bezahlbares Wohnen ist in den letzten Jahren stärker in den gesellschaftspolitischen Fokus gerückt, da insbesondere in den Ballungsgebieten die Wohnungsknappheit und gleichzeitig Luxussanierungen zugenommen haben und in der Folge die Mieten überdurchschnittlich stark gestiegen sind. Als Gegenmaßnahmen wurden u.a. 2015 die sogenannte Mietpreisbremse (Mietnovellierungsgesetz) und 2018 das Baukindergeld eingeführt. Zudem hat 2016 das Bundeskabinett eine Wohnungsbau-Offensive für bezahlbares Wohnen und Bauen u.a. zur Stärkung der sozialen Wohnraumförderung beschlossen. Nach Empfehlung des "Bündnisses für bezahlbares Wohnen Niedersachsen" sollen im Land bis 2030 insgesamt 40.000 neue Sozialwohnungen entstehen.

In Niedersachen ist von 2015 zu 2018 die durchschnittliche Nettokaltmiete mit Wohnungsnebenkosten mit 4,0 % stärker als der Gesamtindex der Verbraucherpreise (umgangssprachlich Inflationsrate) gestiegen, der um 3,2 % zulegte. Dabei können die Steigerungen bei reinen Neuvermietungen hier jedoch nicht extra abgebildet werden, die über dieser durchschnittlichen Teuerung liegen werden. Die Mietbelastung gemessen am Haushaltsnettoeinkommen lag 2018 in niedersächsischen Haushalten bei 26,9 %. Sie verringerte sich damit gegenüber dem zuletzt 2014 erhobenen Wert leicht um 0,9 Prozentpunkte. In diesen Zahlen spiegelt sich also eher eine Verfestigung als eine dramatische Zuspitzung der Woh-nungskosten wider. Allerdings kann dies zum einen an den stärker gestiegenen Einkommen liegen. Zum anderen kann es auch daran liegen, dass viele Menschen sich mit den Mietbedingungen abgefunden haben, die eigentlich eine größere Wohnung benötigen würden, sich diese jedoch nicht leisten könnten. Für Letzteres spricht, dass 2017 etwa 4 % der Bevölkerung in überbelegten Wohnungen lebte, wie aus der amtlichen Statistik EU-SILC Leben in Europa hervorging. Bei armutsgefährdeten Personen traf dies auf rund 15 % zu.

Zudem belief sich 2018 die Mietbelastungsquote bei mehr als jedem dritten Haushalt (34,7 %) auf mindestens 30 %, und mehr als jeder siebte Haushalt (15,0 %) musste mindestens 40,0 % des Nettoeinkommens für die Miete aufwenden.

Wer sich die Miete nicht mehr leisten kann, seine Wohnung verliert und keinen Anspruch auf Wohngeld hat, hat zudem schlechte Chancen, eine geeignete Wohnung zu finden und muss bei Freunden, Verwandten oder Wohnungslosenhilfen unterkommen oder gar ohne Obdach auf der Straße leben. Für Obdachlosenzahlen gibt es allerdings nur Schätzungen, eine amtliche Statistik existiert bislang nicht, was sich 2022 ändern wird. Denn das Bundeskabinett hat am 25. September 2019 einen Gesetzentwurf zur Einführung einer Wohnungslosenberichterstattung sowie einer Statistik untergebrachter wohnungsloser Personen beschlossen. Danach ist eine entsprechende Erhebung durch das statistische Bundesamt erstmalig zum 31. Januar 2022 geplant. Einen Hinweis auf das gestiegene Ausmaß von prekären Wohnsituationen gibt immerhin die von 2013 bis 2018 um mehr als ein Fünftel gestiegene Anzahl der Besuchenden in Tagesaufenthalten der niedersächsischen Wohnungslosenhilfe.

<<< zurück