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Armutsgefährdung und materielle Entbehrung

Der so genannte AROPE-Indikator (At Risk Of Poverty or social Exclusion) aus der Statistik "Leben in Europa" misst Armutsgefährdung nicht nur anhand der Einkommensverteilung, sondern berücksichtigt auch das Ausmaß materieller Entbehrung (Deprivation) und den Anteil der Personen, die in einem Haushalt mit sehr geringer Erwerbsbeteiligung leben. Liegt eines der drei Kriterien "Armutsgefährdung", "erhebliche materielle Deprivation" oder "Haushalt mit sehr geringer Erwerbsbeteiligung" vor, wird nach der EU-Definition von "Armutsbedrohung oder sozialer Ausgrenzung" gesprochen.

Zwar überschneiden sich die Gruppen zu großen Teilen, in der Regel fallen hier jedoch mehr Menschen darunter als bei der ausschließlichen Betrachtung der Einkommensverteilung. In Niedersachsen war nach der EU-Definition 2018 nahezu jede bzw. jeder Sechste (17,1 %) von sozialer Ausgrenzung und Armutsbedrohung betroffen (Deutschland: 18,7 %). Speziell die Zahlen zur materiellen Entbehrung, geben ein ungefähres Bild davon, worauf Menschen aufgrund von Armutsgefährdung verzichten müssen.

Insgesamt waren in Niedersachsen 7,5 % der Bevölkerung von materieller Entbehrung betroffen und mussten demnach auf mindestens drei der folgenden neun Dinge des allgemeinen Lebensstandards verzichten, bzw. konnten sich diese finanziell nicht leisten: 1)¨ die Miete oder Rechnungen für Versorgungsleistungen rechtzeitig bezahlen. 2)¨die Wohnung angemessen heizen. 3) ¨unerwartete Ausgaben in einer bestimmten Höhe aus eigenen finanziellen Mitteln bestreiten können. 4)¨jeden zweiten Tag Fleisch, Fisch oder eine gleichwertige vegetarische Mahlzeit einnehmen. 5)¨jährlich eine Woche Urlaub woanders als zu Hause verbringen. Fehlen 6)¨eines Pkw, 7)¨ einer Waschmaschine, 8)¨ eines Farbfernsehgeräts, 9)¨ eines Telefons im Haushalt aus finanziellen Gründen.

Dabei konnte es sich 2018 nur ein kleiner Teil der niedersächsischen Bevölkerung nicht leisten, die Wohnung angemessen zu heizen (2,7 %) und noch weniger mussten aus finanziellen Gründen auf ein Telefon oder eine Waschmaschine verzichten. Anders sieht es bei unerwartet anfallenden hohen Ausgaben in Höhe von 1.050 Euro aus, die sich 29,0 % der Haushalte nach Selbsteinschätzung nicht leisten könnten, unter den armutsgefährdeten Haushalten waren es fast drei Viertel (73,2 %). Diese Haushalte dürften also über kein bzw. kein bedeutendes Vermögen zur Absicherung in Notlagen verfügen. Einen einwöchigen Urlaub im Jahr konnten sich nach Selbsteinschätzung auch 14,9 % der Bevölkerung aus finanziellen Gründen nicht leisten, selbst wenn er bei Freunden oder Verwandten verbracht werden würde. Unter den armutsgefährdeten Personen konnte das fast jeder zweite Haushalt nicht (45,4 %).

Wenn vier der aufgeführten neun Kriterien auf einen Haushalt zutreffen, liegt nach EU-Definition eine erhebliche materielle Entbehrung zu. In Deutschland betraf dies 2018 insgesamt 3,1 % der Haushalte. Für Niedersachsen ist von einem ähnlichen Wert auszugehen (rund 3 %). Aufgrund der Datenlage ist der Wert jedoch statistisch relativ unsicher.

Quelle:
Niedersächsisches Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung 2020

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