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Relative Armut und relativer Reichtum

In wirtschaftlich hochentwickelten Ländern bedeutet Armut vor allem die mangelnde Möglichkeit der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und eine Einschränkung der individuellen Handlungsmöglichkeiten. Sie kann so zur sozialen Ausgrenzung führen. Arbeitslosigkeit, Niedriglöhne, geringe Qualifikation, mangelnde Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie eine zu niedrige Altersabsicherung verstärken das Armutsrisiko und die Auswirkungen prekärer Lebenslagen. Zentraler Begriff in der amtlichen Sozialberichterstattung ist die "relative Armut" und damit einhergehend die Armutsgefährdung. Als armutsgefährdet gilt danach, wer weniger als 60 % des durchschnittlichen Haushaltsnettoeinkommens (Median) zur Verfügung hat.

In Niedersachsen waren im Jahr 2018 rund 1,17 Millionen Menschen von relativer Einkommensarmut betroffen. Die Armutsgefährdungsquote lag bei 15,0 % und verringerte sich damit das zweite Jahr in Folge. Gegenüber 2005 (15,1 %), dem ersten vergleichbaren Berechnungsjahr, ist die Quote allerdings auf dem gleichen Niveau geblieben, obwohl immer mehr Menschen einer Erwerbstätigkeit nachgehen. (Vgl. Lehmann, Arne: Armutsgefährdung in Niedersachsen im Jahr 2018, in: Statistische Monatshefte (LSN) 11/2019, S. 614-626.)

Bei kaum einer größeren Bevölkerungsgruppen konnte die Armutsgefährdung seitdem bedeutend verringert werden. Zu beobachten ist dagegen ein schleichender Anstieg bei der Altersarmut, bei Menschen, die in Einpersonenhaushalten leben, bei Erwerbslosen und bei Menschen mit einem niedrigen Qualifikationsniveau. Bei den besonders armutsgefährdeten Alleinerziehendenhaushalten (Quote 2018: 38,7 %) sank die Quote immerhin das dritte Jahr in Folge um zusammengenommen 7,9 Prozentpunkte.

Bei der Altersarmut zeigt sich indes, dass vor allem die Hochbetagten im Alter von 80 Jahren und mehr 2018 mit 17,1 % einer überdurchschnittlich hohen Armutsgefährdung ausgesetzt waren, während es bei allen Personen ab 65 Jahre zusammen "nur" 14,2 % waren. Dies hat hauptsächlich mit der Haushaltskonstellation zu tun. In den höheren Altersgruppen überwiegt der Anteil der weiblichen Einpersonenhaushalte. Sie sind überdurchschnittlich oft von Armut bedroht.

Was das Konzept der relativen Armutsmessung nicht berücksichtigt, sind bis auf die Haushaltsgröße und das Alter der Mitglieder, z.B. unterschiedlich hohe Bedarfe, Vermögen oder Fähigkeiten von Menschen in unterschiedlichen Lebenslagen. Auch wenn ein Mensch nach der Einkommensverteilung über der Armutsschwelle liegt, muss er mitunter aus finanziellen Gründen auf essentielle Dinge des (gesellschaftlichen) Lebens verzichten. Zahlen zur materiellen Deprivation, die aus der EU-weiten Befragung EU-SILC Leben in Europa hervorgehen, geben Antworten darauf, worauf Menschen konkret aufgrund von Armutsgefährdung verzichten müssen.

Wer über mindestens 200 % des Durchschnittseinkommens verfügt, gilt als "reich". So wird eine Kennzahl für die Zahl der Reichen bzw. Wohlhabenden ermittelt, nicht aber für das Ausmaß des Reichtums. Stichprobenbedingt gibt es Reichtumsquoten nur bis auf Länderebene.

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