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Relative Armut und relativer Reichtum

Armut bedeutet in wirtschaftlich hochentwickelten Ländern die mangelnde Möglichkeit der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und eine Einschränkung der individuellen Handlungsmöglichkeiten. Sie kann so auch zur sozialen Ausgrenzung führen. Arbeitslosigkeit, Niedriglöhne, geringe Qualifikation, mangelnde Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie eine zu niedrige Altersabsicherung verstärken das Armutsrisiko und die Auswirkungen prekärer Lebenslagen.

Armutsgefährdungsquoten
Trotz gestiegener Erwerbsquoten hat sich die Armut seit 2011 nicht verringert, im Gegenteil: 2015 und 2016 waren die Armutsgefährdungsquoten in Niedersachsen so hoch wie nie, wenngleich sie bei einigen Gruppen mit besonders hohem Armutsrisiko leicht sank. Insbesondere die "Kluft" zwischen deutschen und ausländischen Staatsangehörigen hat sich vergrößert. (Vgl. dazu auch: Eichhorn, Lothar: Armutsgefährdung in Niedersachsen im Jahr 2016, in: Statistische Monatshefte Niedersachsen (Landesamt für Statistik Niedersachsen) 12/2017, S. 624-636.)

Generell schützt Erwerbstätigkeit vor Einkommensarmut, aber mit Blick auf die Beschäftigungsform zeigt sich ein differenzierteres Bild: Während 2016 die Armutsgefährdungsquote bei Normalarbeitsverhältnissen 3,4 % betrug, waren atypisch Beschäftigte zu 13,8 % armutsgefährdet. Die Quoten der Armutsgefährdung und ergänzend des Reichtums erarbeitet die Bund-Länder-Arbeitsgruppe "Amtliche Sozialberichterstattung". (Vgl. www.amtliche-sozialberichterstattung.de. Darüber hinaus: Abhängigkeit von Mindestsicherungsleistungen, Qualifikationsniveau sowie Erwerbsbeteiligung.)

Einkommensdisparitäten
Zentraler Begriff ist die "relative Armut", die auf Basis von Informationen des Mikrozensus an einem variablen gesellschaftlichen Durchschnittseinkommen gemessen wird: Armutsgefährdung beginnt bei weniger als 60 % des Durchschnittseinkommens (Median). Statt von Armut wird von "Armutsgefährdung" gesprochen, da die Ermittlung nur auf Einkommensangaben basiert und keine Daten darüber vorliegen, welche Fähigkeiten die Menschen haben, mit ihrem Einkommen zurecht zu kommen. Auch unterschiedlich hohe Bedarfe werden, bis auf die Berücksichtigung der Haushaltsgröße und des Alters der Mitglieder, nicht ermittelt.

Armutsgefährdungsquoten werden auf Basis des bundesdeutschen Medians und auf Basis der regionalen Durchschnittseinkommen berechnet. Beide Informationen ergänzen sich, weil sie verschiedene Blickwinkel auf den Sachverhalt darstellen. Die Berechnung auf Basis regionaler Durchschnitte ist aber von Verzerrungen freier und richtet den Blick stärker auf inner-regionale als auf inter-regionale Einkommensdisparitäten.

Wer über mindestens 200 % dieses Durchschnittseinkommens verfügt, gilt als "reich". So wird eine Kennzahl für die Zahl der Reichen bzw. Wohlhabenden ermittelt, nicht aber für das Ausmaß des Reichtums. Stichprobenbedingt gibt es derzeit Reichtumsquoten nur bis auf Länderebene, Armutsgefährdungsquoten können auch tiefer regionalisiert berechnet werden. Weitere wichtige Datenquellen sind die Statistik "LEBEN IN EUROPA" (EU-SILC), die Einkommens- und Verbrauchsstichprobe und das Sozioökonomische Panel. Da sich deren Einkommenskonzepte, -erfassung und die Stichprobenmethodik vom Mikrozensus unterscheiden, sind die Ergebnisse nur schwer vergleichbar und zudem kaum regionalisierbar. Dargestellt werden in der HSBN die Armuts- und Reichtumsquoten der Länder, das Armutsrisiko nach Lebenslagen und gesellschaftlichen Gruppen sowie in den Regionen und Städten dargestellt.

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